SICHERHEIT, EHRLICH
Canyoning-Sicherheit in Interlaken – und warum es neu aufgebaut wurde
Canyoning birgt in fließendem Wasser ein echtes Risiko. 1999 wurde eine Schlucht im Berner Oberland von einer Flutwelle überrascht – mit tragischen Folgen. Hier erfahren Sie, was damals geschah und wie sich die Branche seither verändert hat.
Canyoning-Touren auf GetYourGuide ansehen ↗Ein echter Abenteuersport, keine Freizeitpark-Attraktion
Man muss es deutlich sagen: Canyoning bedeutet kaltes Wasser, Höhe, Strömung und Fels – und es birgt ein echtes Risiko, das keine noch so gute Ausrüstung vollständig beseitigt. Das ist ein Abenteuersport, keine Freizeitpark-Attraktion mit garantiert sicherem Ausgang. Seriöse Anbieter managen dieses Risiko konsequent – durch geschulte Guides, begrenzte Gruppengrößen, ausgekundschaftete Routen und die Möglichkeit, jedes Hindernis auszulassen, bei dem man sich unsicher fühlt. Aber sie tun nicht so, als gäbe es das Risiko nicht – und das sollten Sie auch nicht. Die Wahl eines etablierten, ordentlich lizenzierten Anbieters statt des billigsten Angebots ist mit Abstand die wichtigste Sicherheitsentscheidung, die man bei einer Buchung trifft.
27. Juli 1999: das Saxetenbach-Hochwasser
Am 27. Juli 1999 war eine kommerzielle Canyoning-Gruppe in der Saxetenbach-Schlucht bei Interlaken unterwegs, als ein plötzliches Sommergewitter eine Sturzflut durch die Klamm schickte – eine Wand aus Wasser, die die Gruppe nahezu ohne Vorwarnung überrollte, während sie sich durch die enge Schlucht ergoss. Einundzwanzig Menschen starben an diesem Nachmittag, die meisten von ihnen junge Touristen auf dem Trip sowie mehrere ihrer Guides. Es bleibt einer der tödlichsten Einzelunfälle in der Geschichte des kommerziellen Abenteuertourismus weltweit – und er ereignete sich genau in dem Talsystem, in dem Canyoning bis heute angeboten wird.
Was ist schiefgelaufen
Die anschließenden Ermittlungen ergaben, dass der Sturm und die daraus resultierende Flut die direkte Todesursache waren, aber auch, dass die an diesem Nachmittag verfügbaren Wetterwarnungen vor dem Betreten der Schlucht nicht beachtet worden waren. Mehrere Personen, die mit dem Betreiberunternehmen in Verbindung standen, wurden später nach einem langwierigen Rechtsverfahren wegen des Unglücks verurteilt. Der eigentliche Fehler lag nicht am Sport selbst, nicht an der Schlucht und nicht an der an diesem Tag verwendeten Ausrüstung – es war die Entscheidung, trotz der Bedingungen weiterzumachen, die im Rückblick und nach heutigen Überwachungsstandards die Gruppe vollständig aus dem Wasser hätte fernhalten müssen.
Wie sich die Branche verändert hat
Die Katastrophe erzwang ein grundlegendes Umdenken darüber, wie Abenteuersport in der Schweiz reguliert wurde – doch der Wandel vollzog sich über Jahre, nicht über Monate. Die Branche bewegte sich zuerst: Um das Jahr 2000 führten die Anbieter ein „Safety in Adventures"-Zertifizierungs- und Sicherheitslabel-System ein, das gemeinsame Standards für Guide-Ausbildung, Sicherheitsmanagementsysteme sowie vorgelagerte Wetter- und Wasserüberwachung festlegte. Die staatliche Regulierung folgte später, nicht früher – das Schweizer Bundesgesetz über Risikoaktivitäten, das kommerzielle Abenteuersportanbieter landesweit lizenziert, wurde erst 2010 verabschiedet und trat erst 2014 in Kraft. Zwischen dieser frühen Branchenselbstregulierung und dem schließlich erlassenen Bundesgesetz liegt der direkte Grund, warum ein lizenzierter Anbieter in Interlaken heute mit geschulten, zertifizierten Guides und standardisierten Sicherheitsprotokollen arbeitet – statt allein auf informeller Erfahrung und lokalem Wissen zu vertrauen, so kompetent ein einzelner Guide auch sein mag.
Was das für Ihre Buchung bedeutet
In der Praxis zeigt sich das in kleinen, aber wichtigen Details: Guides prüfen jetzt vor und während einer Tour die Wetter- und Wasserstände flussaufwärts – nicht nur zu Tagesbeginn. Canyons werden beim ersten glaubwürdigen Anzeichen eines Sturmsystems oder steigenden Wassers geschlossen oder umgeleitet, selbst wenn das bedeutet, eine bereits gebuchte und bezahlte Tour abzusagen. Und Gruppengrößen sowie Guide-Schlüssel werden bewusst so festgelegt, dass jeder jederzeit sichtbar und in Reichweite bleibt. Wird eine Tour wegen des Wetters abgesagt oder verkürzt, ist das das Sicherheitssystem, das genau wie vorgesehen funktioniert – kein übervorsichtiger Veranstalter.
Nicht sicher, welche Schlucht die richtige für Sie ist – oder ob es überhaupt etwas für Sie ist?
Hinterlassen Sie Ihre E-Mail-Adresse und ungefähr Ihren Reisezeitraum – wir schicken Ihnen eine kurze Übersicht darüber, wie die Schluchten rund um Interlaken im Vergleich abschneiden, welche sich für Einsteiger und welche für Adrenalinjunkies eignen, wie kalt das Wasser ist und was ein halber Tag tatsächlich beinhaltet.